Kurznachrichten von Ottmar Mickmann

In die Stille gehen, aus dem Schweigen leben,
offen sein für ein besseres Bild unter uns Menschen.

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Meine lieben Mitchristen über die Konfessionellen Grenzen hinaus, liebe Freunde,
 
 " halte immer dem Gegenwind stand, auch wenn er dir ins Gesicht bläst und
du meinst, aufgeben zu müssen. Bleibe fest und gehe ihm immer wieder entgegen,
vielleicht auf anderen Pfaden oder einen anderen Weg und in neuen Schuhen. "

 
Liebe Mitchristen und Freunde, ich habe mir es nicht leicht gemacht, da ich mit Euch doch
eine tiefe Einheit finde und auch mit unter erlebe. Es ist beunruhigend, wie sehr
gegenwärtig auch Christen über Müdigkeit und Anfälligkeit für Nebensächlichkeiten
klagen. Nicht wenige der Engagiertesten unter ihnen fühlen sich innerlich ausgebrannt,
ohne Inspiration und geistliche Leidenschaft, wie ein erloschener Vulkan. Selbst der
Einsatz für die Nachfolge, für Gottes Reich ist unmerklich zur Routine erstarrt. Mancher
lebt ohne innere Überzeugung und Kraft und hat zunehmend Mühe, seiner Berufung
treu zu bleiben oder diese überhaupt noch deutlich zu erkennen. Zweifel kommen auf:
Warum noch länger einen steinigen Weg fortsetzen, wenn der Horizont weg gerutscht ist?
Wozu sich weiter abmühen, wenn man doch nichts bewirkt, wenn sich die
Menschen nicht ändern und alles beim alten bleibt? Auf einmal droht alles gleichgültig
zu werden. Der gute Wille ist überfordert. Nicht wenige haben bereits den Kampf
aufgegeben und sich mit den spröden Realitäten arrangiert. Daneben aber wächst
seit Jahren auch die Zahl derer, die entschlossen sind, sich mit der traurigen
Mittelmäßigkeit einer perspektiviosen Lebensführung nicht weiter abzufinden. Sie
haben erkannt, dass es längst nicht mehr genügt, die Existenz geistlichen
Lebens einfach vorauszusetzen. Sie sind auf der Suche nach einer Spiritualität, die
verbrauchtes Leben erneuert, Schritt hält mit veränderten Herausforderungen
und auch in Spannungen innere Elastizität und Weite gibt.
 
So ist für mich der Kleine Bruder Ottmar des Benedikts, die Stille und das
Schweigen sehr deutlich in meiner Nachfolge geworden. Wer aus dem Lärm und
der Hetze der Strassen dieser Welt in dieser Oase St. Patrick unter dem Dach
der Suchenden tritt, empfindet es vielleicht zuallererst als einen Raum geheimisvoller
Stille. Ist diese Stille befreiend oder beklemmend?
Der Grazer Schriftsteller Martin Guti sagt in einem Gedicht:
 
" Mache fürchten sich. Sie sind ständig tätig. Manche fürchten, die Stille könnte sie stören. "

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Haben wir Angst vor der Stille? Bedeutet sie nicht das Fehlen von Kommunikation und
Tätigkeit, von Leistung und Forschritt, von Leben schechthin?
In einem anderen Gedicht, des Gesegnetes Nichstun überschreiben ist, sagt freilich
Martin Gutl:
 
" Im Sterben wird uns die Stille als Person begegnen. Der eine wird sie als
vertraut begrüßen, der andere wird vor ihr erschrecken. "
 
Ist also die Stille mehr als das Fehlen von Geräuschen und Klängen? Ist sie so wichtig,
dass es sich lohnt, sich mit ihr vertraut zu machen, sich in sie einzuüben, für sie einen
Bau zu errichten wie ein Kloster oder diese Oase St. Patrick? Verfehlt der Mensch
sich selber, wenn er nicht schweigen kann? Oder liegt gerade in der Flucht vor sich
selber der Grund dessen, dass der Mensch nicht schweigen kann, ja es nicht will?
" Denn wenn er richtig schweigt, kommt er zu sich selbst, und bei sich zu sein, ist ihm
unerträglich" Romano Guardini. Warum also haben Menschen und auch ich der
Kleine Bruder Ottmar des Benedikts den Lärm dieser Welt verlassen, wie Stille,
Schweigen und  Einsamkeit aufgesucht und Räume der Stille geschaffen.
Wie ein Mönch in der Wüste und ich Ottmar in der Wüste dieser Stadt, in der Einsamkeit
lebt im Geheimins des Schweigens. Das Geheimnis des Schweigens ist zugleich und
zutiefst das Geheimins des Wortes. So unterscheidet es sich von der blossen Stummheit
und Taubheit, die nicht reden und die nicht vernehmen können. Schweigen kann nur,
wer zu sprechen fähig ist. Es schweigt, wer nach einem Wort wieder zu sich zurückkehrt
und still wird oder wer auf eine Äußerung verzchtet und still bleibt. Das Schweigen ist
zuallererst das Hören aus das Wort Gottes, das der Mensch im Lärm dieser Welt zu
überhören versucht ist. Das Wort Gottes ist die Quelle und der begleitende Rahmen,
aus der und in dem das Wort des Menschen Kraft und Gewicht empfängt. Seine Antwort
an Gott wird so nicht leeres Gerede, sondern kommt aus einer wissenden und fühlenden
Stille, in der mehr verborgen ist, als je durch ein Wort ausgedrückt werden kann.
Auch ich der Kleine Bruder Ottmar des Benedikts bedarf noch der zwischenmenschlichen
Unterredung, der Stärkung und Vergewisserung. In der Stille müssen sie aufgenommen,
bedacht und meditiert und in der Tat erprobt werden. Die gesammelten Vätersprüche
werden aufgeschrieben und zur Weisheit der Wüste, die allen nachkommenden
Generationen der christenheit hilfreich wird. Athanasius schreibt das Leben des Antonius
als das Leben des vorbildlichen Gottesmannes. Johannes Cassian aus Marseille gest.
um 430 sammelt die Weisung der Mönchsväter des Ostens und stellt sie dem lateinischen
Westen vor. Der Antrieb, Gott allein zu suchen, in ihm Vollendung und Ruhe zu finden und
nach der Weisung des Apostels ohne Unterlass zu beten, bleib in der Geschichte der Kirche,
wie auch in meiner benediktinischen und ökumenischen Lebensform immer lebendig.
Davon gibt Nikolaus von der Flüe im 15. Jahrhundert Kunde oder der  namenlose russischer
Pilger des 19. Jahrhunderts, dessen Aufrichtige Erzählung eines Pilgers das Jesus - Gebet, den
Weg zur Ruhe der Seele, zu ihrer innigsten Vereinigung mit Gott, in unserem Jahrhundert wieder
neu bekannt und beliebt gemacht haben. Im Pilger und des Kleinen Bruders des Benedikts
beggenet uns ein Typus der Gottsuche und der Nachfolge Jesu, in dem der Auszug der
Welt zugleich deutlich macht, dass wir in ihr keine bleibende Stätte haben. Sich von der
Welt zu lösen und sich in Gott zu verankern bedeutet, in der Gestalt des Fremdlings
zu sein, der wie der Menschensohn nicht über die Höhlen der Füchse und die Nester der
Vöge verfügt, der nichts hat, wohin er sein Haupt niederlegen kann. Dies ist das
ursprüngliche Ideal von mir Euer der Kleine Bruder Ottmar des Benedikts, deren Oase
St. Patrick unter dem Dach der Suchenden nur eine geliehene Raststätte ist auf dem
Pilger - Wanderweg der Armen Christi. Ein Unterwegsein auf dem Pilgerweg, einer
sichtbaren Einheit der Versöhnung.
 
So sage ich meinen herzlichen, mitbrüderlichen und freundschaftlichen Dank aus von
ganzen Herzen, für alle sichtbaren und unsichtbaren Zeichen der Solidarität.
 
 
" Mögen hilfreiche Erfahrungen Euch prägen, gute Menschen Euch begegnen.
Nimm das Leben als ein Geschenk. Gottes Segen möge Euch begleiten auf dem Lebensweg. "

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Euer der Kleine Bruder Ottmar des Benedikts