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Es ist der Sommer - und Herbstrundbrief. " Viele Arten der Nachfolge Jesu gibt es,wie es Mensch gibt. " Wollte man die Forderungen Jesu,wie sie Lukas formuliert buchstäblich nehmen, dann könnte wahrscheinlich keiner von uns ein wirklicher Jünger Jesu, ein wirklicher Christ sein. Dann müssten wir uns beschämt oder enttäuscht oder auch verärgert wieder unseren Positionen zuwenden, unseren Giro - und Sparkonten,unseren Beziehungen, unseren Pensions - und Rentenansprüchen. Diese Forderungen Jesu sind ein Stachel,der schmerzt und auch unsicher acht.Andererseits ist zu beachten, dass die Worte Jesu keine tote Ware, sondern eine lebendige Größe sind, die man in jeder Zeit neu hören, neu verstehen und neu übernehmen muß, ohne sie abschwächen zu dürfen. Als Lukas diese Sätze in den Jahren wischen 75 und 80 nach dem Tod Jesu zu einer einzigen Rede zusammenkomponierte übersetze auch er schon für seine Zeit.Dabei spielten zwei Situationen eine besondere Rolle.Zunächst:Zum Zeitpunkt,da Lukas diese Sätze aufschrieb,wurde es immer gefährlicher, ein Christ zu sein und Christus zu bekennen. Fast überall wurde die Christen verfolgt, gefangengenommen, gefoltert und hingerichtet. Oder sie galten als weltfremd und wurden als Narren verschrien. Dieses gibt es leider auch heute noch,sogar unter Christen die Meinen über einige anderen Christen, sie sind weltfremd,sie werden verurteilt als Narren.Dieses ist ein großes Armutszeugnis dieser sogenannten Christen. Diese Situation möchte Lukas mit den beiden Gleichnissen vom "Turmbau" und vom "Krieszug" verdeutlichen. Wer etwas anfängt,ohne vorher genau zu überlegen, ob er es auch ausführen kann,der darf sich sich wundern, wenn er Spott erntet. Mit anderen Worten. Wer dem Herrn nachfolgen will, der sollte sorgfältig überdenken,worauf er sich einlässt; denn er muss mit dem Kreuz rechnen und mit dem Tod. Heute würden wir sagen, Demütigung und viel Kränkungen aus eigenen Reihen seiner Mitchristen. Darüber hinaus ist anzumerken dass Lukas und seine Generation von der baldigen Wiederkehr des Herrn überzeugt waren. Das aber bedeutet.Wenn bis zur Wiederkehr es Herrn nur noch wenig Zeit bleibt, um seinen Auftrag zu erfüllen und seine Botschaft Israel und Völkern zu verkünden, dann muß alles andere zurückstehen; dann werden selbst die Bindungen an die Familie relativ. Können wir dies nicht von unseren eigenen Erfahrungen her nachvollziehen? Wenn Sie beispielsweise im Betrieb einen bestimmten Auftrag zu erfüllen haben, geraten selbst die Belange der Familie in die zweite Reihe.Wenn die Zeit drängt, werden auch Besitz und Altersvorsorge belanglos. Auch dies ist zu berücksichtigen, wenn man jene Sätze verstehen will, die uns so hart erscheinen. Verlass deine Frau, deine Kinder, dein Zuhause, deinen Besitz; denn all das hat ohnehin alsbald ein Ende. So dachte man damals. Doch wir leben zweitausend Jahre später. Und der Herr ist immer noch nicht wiedergekommen. Müssen also nicht auch wir seine Worte anders verstehen, als Lukas sie verstanden hat? Zweifellos enthalten die Worte des Herrn einen bleibenden Anspruch. Aber dennoch müssen sie in unsere Situation übersetzt werden. Das ist durchaus legitim. Die Kirche hat es in ihrer langen Geschichte immer wieder getan. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen eine Text schreiben und Sie fragen, was Sie zu ihm sagen: " Es ist ein Irrtum, um nicht zu sagen, eine Ketzerei, eine Trennungslinie zu ziehen zwischen der Nachfolge Jesu und dem Sportplatz, zwischen Frömmigkeit und Kaufladen, zwischen Nächstenliebe und Aushalt. Gewiss, nur eine beschauliche Klosterfrömmigkeit kommt da nicht in Betracht. Aber es gibt so viele Nachfolgen Jesu, wie es Berufe gibt. Sie bilden eine einheit mit jedem Beruf. Frömmigkeit muss anders aussehen bei einen Priester, bei Ordensleute als bei einem Handwerker oder einem Hafenarbeiter, anders bei einem Mädchen als bei einer Mutter mit Kindern und anders als bei einem Menschen mit achtzig oder fünfundachtzig Jahren. Sie richtet sich in ihrer praktischen Verwirklichung nach den Kräften und Aufgaben und Pflichten eines jeden einzelnen. Echte Nachfolge Jesu verdirbt nichts Gutes, sondern sie verschönt und vollendet alles. Je mehr ein Christ aus seiner Religion und seinem Beruf eine Einheit macht, um so liebenswürdiger ist er, um so leichter und selbstverständlicher ist für ihn die Sorge um seine Frau und seine Familie, um so freundlicher und schöner geht es zu an jedem Arbeitsplatz. " Und nun meine Frage an Sie. Wann wurden diese Worte geschrieben und von wem stammen sie? Nun, geschrieben wurden sie im Jahre 1608, und sie stammen vom hl.Franz von Sales. Er schrieb sie, um denen zu helfen, die mitten in der Welt leben und nicht glauben können, dass es auch ihnen möglich sei, ein religiöses Leben zu führen. Diese Worte sind eine Ermutigung an uns, wo immer wir stehen, was immer wir tun, was immer uns belastet, wo immer wir uns abmühen. Es gibt so viele Arten der Nachfolge Jesu, wie es Menschen gibt. Bei jedem sieht sie anders aus. Genauso gibt es so viele Kreuze, wie es Lebenssituationen gibt. Das heißt:Mit zehn Jahren sehen meine Nachfolge und mein Kreuz anders aus als mit fünfundzwanzig Jahre. Und mit vierzig Jahren haben Sie als gläubiger Vater einen anderen Weg zu gehen und andere Sorgen als Kreuz zu tragen als eine Großmutter, die am Ende ihres Lebensweges steht. Hier zeigt sich, das ich in jeder Phase meines Lebens jene Worte Jesu neu umsetzen und neu leben muss. Es ist also gar nicht die Härte dieser Worte Jesu bei Lukas, die mich erschrecken; es ist vielmehr meine eigene Inkonsequent. Dabei denke ich etwa an das Wort Jesu:" Seid wachsam! " ( Mt 24,42 ). Oder: " Haltet euch bereit! " ( Mt 24,44 ).Ich aber spüre täglich, wie unbeweglich, träge und abgestumpft ich geworden bin, wie sehr es mir an Wachheit für die Probleme der Stunde, an der Bereitschaft zu Neuem fehlt. Das ässert sich in der Redensart:" Ja, man könnte eigentlich! " Doch was ich könnte, das kann ich auch! Warum also tue ich nicht, was ich könnte? Und Sie......?????......... Euer Kleiner Bruder Ottmar des Benedikts.
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